Der Mythos vom Neubau-Gerät
„Wärmepumpe geht nur mit Fußbodenheizung im Neubau" — dieser Satz hält sich hartnäckig, stimmt aber so nicht. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen Vorlauftemperaturen von 60 °C und mehr. Die eigentliche Frage ist eine andere: Mit welcher Vorlauftemperatur kommt Ihr Haus am kältesten Tag des Jahres aus?
Ein einfacher Selbsttest: Stellen Sie an einem richtig kalten Wintertag die Heizkurve Ihrer bestehenden Heizung auf 55 °C Vorlauf. Wird es überall warm? Dann ist Ihr Haus sehr wahrscheinlich wärmepumpentauglich — ganz ohne Dämm-Großprojekt.
Was wir vor jedem Angebot prüfen
- Heizlastberechnung raumweise (DIN EN 12831): Wie viel Wärme braucht jeder Raum wirklich? Ohne diese Rechnung ist jedes Angebot geraten.
- Heizflächen: Oft reicht es, zwei, drei knapp bemessene Heizkörper gegen größere oder Niedertemperatur-Modelle zu tauschen — statt das ganze Haus umzubauen.
- Warmwasser und hydraulischer Abgleich: Beides entscheidet über die reale Effizienz, nicht das Datenblatt.
- Aufstellort und Schall: Abstand zum Nachbarn, Fundament, Kondensatablauf.
Aus diesen Punkten ergibt sich die Jahresarbeitszahl (JAZ) — die Kennzahl, die sagt, wie viel Wärme pro eingesetzter Kilowattstunde Strom herauskommt. Werte um 3,5 bis 4,5 sind im Bestand realistisch, wenn die Planung stimmt.
Und wenn das Haus (noch) nicht so weit ist?
Dann gibt es zwei ehrliche Wege: gezielte Einzelmaßnahmen (Heizkörpertausch, oberste Geschossdecke dämmen) — oder eine Hybrid-Lösung, bei der die Wärmepumpe den Großteil des Jahres übernimmt und der alte Kessel nur an den kältesten Tagen zuschaltet. Was davon sinnvoll ist, hängt an Zahlen, nicht an Meinungen.
Ibrahim Kurban ist Sachkundiger für Wärmepumpensysteme nach VDI 4645 — geplant wird bei uns nach Norm, nicht nach Bauchgefühl.
Erste Einschätzung in zwei Minuten
Der Wärmepumpen-Check fragt die wichtigsten Eckdaten Ihres Hauses ab — Baujahr, Heizkörper, aktuelle Heizung — und Sie bekommen eine ehrliche Ersteinschätzung vom Meisterbetrieb. Mehr zur Leistung: Wärmepumpen.
Übrigens: Für den Umstieg gibt es bis zu 70 % staatlichen Zuschuss — Details im Artikel zur BEG-Förderung.